GEFÖRDERTE PROJEKTE IN NRW | 2018/19

AKZENT Barock!

First Contact

Laboratorium

Dance Discovers Digital

Bielefelder Studio

Junge Oper

Outreachfestival

Bürgeroper

Spieltrieb – Jugendclub im Theater Duisburg

Richard Siegal
Ballet of Difference

Neue Dramatik und Zeitgenossenschaft

Dramenlabor Münster

theater:faktorei

Akademie für laute Gedanken

Inklusives
Schauspielstudio

Sound of the City

PROJEKTE IN NRW

AACHEN

Theater Aachen
nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel und Johann Peter Cremer

AKZENT Barock!

Bereits seit einigen Jahren verfolgt das Theater Aachen / Sinfonieorchester Aachen das Ziel, zugunsten eines breiten Repertoirespektrums regelmäßig Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf die Bühne zu bringen. Seit der Spielzeit 2015/16 spielt das Sinfonieorchester Aachen für die Aufführung von Werken aus der Barockzeit vollständig auf historischen Instrumenten, ein Alleinstellungsmerkmal unter den theatereigenen Orchestern Deutschlands. Hinzu kommt eine langjährige Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis.

Im Rahmen der Projektlaufzeit wird das Sinfonieorchester Aachen vollständig mit einem eigenen Barockinstrumentarium ausgestattet. Darüber hinaus wird ein Team international renommierter Barockspezialist*innen das Sinfonieorchester Aachen in historischer Aufführungspraxis schulen und je nach Projekt stimmlich ergänzen. Im Rahmen der Förderung konnten in der Spielzeit 2019/20 das Cross-over-Konzert „Barock InFusion“ im Ludwig Forum Aachen (November 2019) und ein Konzert im Rahmen der Aachener Bachtage (November 2019) realisiert werden. Durch die Corona-Pandemie musste G.F. Händels Oratorium „La resurrezione“ in der Citykirche St. Nikolaus als szenische Installation auf März 2021 verschoben werden. Die Barockoper „La Calisto“ von Francesco Cavalli
wird im November 2020 im Theater Aachen Premiere feiern.

Die Barockspezialisierung sieht das Theater Aachen als Chance, nicht nur die Alte Musik in ihrem Facettenreichtum auszuschöpfen, sondern sie im Dialog mit zeitgenössischer Musik und im xperimentellen Cross-over wie mit Jazz oder HipHop neu zu entdecken. In Kooperation mit Aachener Institutionen und Nachwuchskünstler*innen sollen im Rahmen von szenischen Installationen und innovativen Konzertformaten aktuelle politische und philosophische Themen aufgegriffen werden.

BIELEFFELD

Stadttheater Bielefeld
nach einem Entwurf von Bernhard Sehring (1904)
Foto: Christian R. Schulz

Neue Wege an den Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld / Bielefelder Studio

First Contact – Faszination Musiktheater
Musiktheater und Neue Musik gehören zu den komplexesten Kunstformen. Ihre Faszination erschließt sich häufig nicht unmittelbar, sondern erst, wenn die Möglichkeit besteht, sich näher damit zu beschäftigen. Daher starten die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld im Rahmen der Förderung von 2019 bis 2022 unter dem Label First Contact – Faszination Musiktheater eine Reihe, um junges Publikum partizipativ für Musiktheater und Konzerte zu begeistern. Geplant ist, dass jeweils eine etablierte Komponistin oder ein Komponist eine*n Kompositionsstudent*in anleitet, um gemeinsam ein Stück im Kammerformat zu entwerfen. Insgesamt entstehen so drei Uraufführungen. Für die neuen Stücke werden Jugendliche in den Gestaltungsprozess eingebunden und stehen in den Aufführungen selbst mit auf der Bühne. Zugleich arbeitet der oder die Komponist*in in Workshops mit den Bielefelder Philharmonikern an einem eigenen Werk, das im Rahmen des regulären Konzertprogramms uraufgeführt wird.

Schauspiel – Laboratorium: Recherche, Struktur, Freiheit
Die Schauspielsparte des Theater Bielefeld sucht in drei Produktionen nach Wegen, um die herkömmliche Formate und Arbeitsweisen des Theaters zu überwinden und Methoden neuen theatralen Erzählens zu finden. In der im Januar 2020 entstandenen szenischen Installation „Requiem“ des Künstlerkollektivs RAUM+ZEIT erlebt jede*r Zuschauer*in auf dem Weg durch das Konzerthaus Rudolf-Oetker-Halle in einzelnen Begegnungen mit Schauspieler*innen eine Familiengeschichte und deren Verstrickungen. Das Projekt „I’m no spring chicken, darling.“ (AT) des queer-feministischen Kollektivs Henrike Iglesias erforscht die Bedeutung des Alterns in unserer Gesellschaft; das Ergebnis der Zusammenarbeit aus freier Szene und Stadttheater, von Performancekünstlerinnen und Schauspieler*innen wird ab Mai 2021 zu sehen sein. In der kommenden Spielzeit wird schließlich eine Kooperation mit der Recherche-Theaterautorin Anna Jelena Schulte zur Premiere kommen, bei der aus zahlreichen Interviews ein Theaterabend über psychische Erkrankungen entsteht.

TANZ Bielefeld – D3 – Dance Discovers Digital
Drei Spielzeiten lang macht TANZ Bielefeld (Künstlerische Leitung: Simone Sandroni) die Digitalisierung zu seinem künstlerischen Experimentierfeld. Unter dem Titel D³ – Dance Discovers Digital entstehen drei Tanzabende, die die Wirkung neuester Medientechnologien nicht nur inhaltlich reflektieren, sondern in den physischen Bühnenraum holen. Gemeinsam mit Designer*innen, Programmierer*innen und Medientechniker*innen entwickeln die international renommierten Choreograf*innen Moritz Ostruschnjak, Nanine Linning und Stephanie Thiersch völlig neue Formate und schreiben den Tanz als eines der ältesten Ausdrucks- und Kunstmittel überhaupt in die digitale Zukunft fort.

NEUE WEGE: Das »Bielefelder Studio« als spartenübergreifendes Projekt
Eines der aktuell wesentlichen Ziele der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld ist es, die Grenzen herkömmlicher Professionalisierung zu überwinden und traditionelle Berufsbilder zu hinterfragen. In dem spartenübergreifenden Projekt Bielefelder Studio können sich drei junge Künstler* innen aus den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel jeweils eine Spielzeit lang weiterbilden und entwickeln. Die Mitglieder des Studios werden in die geförderten Projekte eingebunden. Parallel finden ein Mentoringprogramm und Workshops statt.

DORTMUND

Oper Dortmund (1958-65)

NEUE WEGE / Junge Oper / Biennale Outreachfestival / Bürgeroper

Die Oper Dortmund wird durch die Förderung die von Intendant Heribert Germeshausen bei seinem Amtsantritt 2018/19 begonnene Öffnung der Oper in die diverse Stadtgesellschaft des 21. Jahrhunderts durch den Aufbau eines eigenständigen Ensemble für die Junge Oper, den Ausbau der Bürgeroper und die Verknüpfung der Untersparten und partizipativen Formate um entscheidende Facetten deutlich erweitern. Wichtiger Bestandteil ist die Gründung eines eigenen Ensembles für die Junge Oper, für die Sänger*innen auswählt werden, die die Vermittlung der Kunstform Oper als Karriereschwerpunkt betrachten und über theaterpädagogische Zusatzqualifikationen verfügen. Damit sollen Inszenierungen produziert und erfolgreiche Produktionen wiederaufgenommen werden, die altersspezifisch fokussiert, die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen thematisieren. Mithilfe einer eigenen Technikerstelle soll das Angebot mobiler Opernproduktionen für Schulen und Kindergärten ganzjährig und unabhängig vom Spielbetrieb im Haupthaus, erheblich ausgebaut werden. Die Oper Dortmund ist damit das erste Opernhaus in NRW und das zweite in Deutschland mit einem eigenen, spezifischen Ensemble für die Junge Oper. Ferner dienen die Mittel dazu, die Attraktivität der erfolgreichen Bürgeroper durch den gezielten Einsatz zusätzlicher Coaches weiter auszubauen. Über biennale Outreachfestivals werden die Aktivitäten der Jungen Oper, der Bürgeroper und weitere partizipative Formate wie die zahlreichen Spielclubs sowie Sitzkissenopern für sehr kleine Kinder miteinander verknüpft.

DUISBURG

Theater Duisburg 
nach einem Entwurf von Martin Dülfer (1911–12). Wiederaufbau 1946 bis 1954 – Bauleitung bis 1953 Siegfried von Tiling.

Schauspiel am Theater Duisburg / Neue Wege weitergehen / Ein Konzept für die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21

Durch die kontinuierliche Theaterarbeit mit jungen Menschen aus der Region über alle Nationalitäten hinweg hat sich das Theater Duisburg in der Sparte Schauspiel von einem reinen Bespieltheater zu einem Schauspielhaus mit eigenem Profil und Spielplan entwickelt. Spieltrieb – Jugendclub im Theater Duisburg ist zu einer wesentlichen Säule des Schauspielprogramms gewachsen. Über 650 Vorstellungen mit mehr als 40.000 Besucher*innen hat es seit seiner Gründung 2005 gegeben. Dabei kommt es seit 2012 auch immer wieder zu Projekten, in denen jugendliche Laien mit professionellen Schauspieler*innen auf der Bühne stehen. Dieser eingeschlagene Weg soll intensiver fortgesetzt und auch stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Für die kommenden zwei Spielzeiten sollen mit Hilfe der Förderung sowohl eine kontinuierliche theaterpädagogische Betreuung geschaffen werden, als auch die Stelle einer Dramaturgin oder eines Dramaturgen. Neben der Vermittlung des Projektes – auch über die Stadtgrenzen Duisburgs hinaus –, ist die Erweiterung des Repertoires für ein junges Ensemble – auch in Hinblick auf neue und außereuropäische Dramatik – beabsichtigt. Dabei wird bewusst eine inhaltliche Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen gesucht. In den kommenden zwei Spielzeiten soll dabei das Thema Empathie im Mittelpunkt stehen und die Frage der eigenen Haltung in einer sich rasant verändernden Welt.

GELSENKIRCHEN

Musiktheater im Revier
nach einem Entwurf Werner Ruhnau (1959) 
Foto: Pedro Malinowski

MiR Puppentheater

Ein Jahr nach seiner Gründung wächst das Puppentheater am MiR weiter, auf und hinter der Bühne. Sechs Premieren und eine Wiederaufnahme sind geplant, und das Ensemble erhält Zuwachs. 

Neueste Tendenzen des Puppenspiels zeigen die „Puppet Masters“.
Der Abend ist den Diplom-Inszenierungen der vier Studentinnen der Ernst Busch
Hochschule gewidmet, die in der Spielzeit 2019/20 das Puppenspielstudio am MiR bildeten. Die Inszenierung des Kult-Musicals „The Black Rider“ von Tom Waits steht ab September 2020 auf dem Spielplan. Mit Astrid Griesbach inszeniert eine der renommiertesten Puppentheater-Regisseurinnen des deutschsprachigen Raumes. Die Puppe spielt auch in der Inszenierung der Oper „L’Orfeo“ eine zentrale Rolle. Claudio Monteverdis Meisterwerk wird als spartenübergreifende Produktion der MiR Dance Company, des MiR Puppentheater und des Opernensembles zu sehen sein. Die Puppenadaption des Kinderbuch-Bestsellers „Rico,
Oscar und die Tieferschatten“ (ab November 2020 auf dem Spielplan) richtet sich an die jüngeren Zuschauer*innen. Das Puppenmusical „Avenue Q“ – ab April 2021 auf dem Spielplan – entlarvt die Doppelmoral unserer Gesellschaft auf äußerst humorvolle Weise. Im Mai 2021 wird der coronabedingt verschobene Liederzyklus mit Puppen-Installation „Winterreise“ von Annette Dabs und Stefanie Oberhoff endlich Premiere feiern. Die Erfolgsproduktion des Kinderstücks „Perô oder die Geheimnisse der Nacht“ gastiert zuerst im April 2021 in Coesfeld und wird im Mai am MiR als Wiederaufnahme gezeigt.

Daneben ändert sich die Struktur der Puppenspiel-Sparte. Gloria Iberl-Thieme übernimmt die künstlerische Leitung des MiR Puppenspiels Gelsenkirchen. Daniel Jeroma und Merten Schroedter ergänzen das Ensemble als feste Puppenspieler. Zwei Studierende vom Studiengang „Zeitgenössische Puppenspielkunst“ der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch werden wieder ihr letztes Ausbildungsjahr in der Praxis am MiR gestalten.

KÖLN

Schauspiel Köln, Depot 2

Richard Siegal / Ballet of Difference

Ab der Spielzeit 2019/20 wird der renommierte Tänzer und Choreograf Richard Siegal Artist in Residence am Schauspiel Köln und gemeinsam mit Tanz Köln eine Tanzsparte mit eigener Kompanie gründen. Dadurch erweitert sich das Profil des Hauses, das bisher mit seinen internationalen Tanzgastspielen die Kulturstadt Köln bereichert hat, nach 10 Jahren um eine eigene Tanzkompanie. Die daraus resultierende Stärkung des Standortes Köln soll dazu führen, ein neues Zentrum für zeitgenössischen Tanz zu etablieren. Neben der Etablierung neuer Ausdrucksformen, die mit hybriden ästhetischen Formen eine Kunstsprache der Zukunft schaffen, indem sie die substanzielle und wechselseitige Durchdringung unterschiedlicher Kunstformen befördern, soll ein Repertoire für die neue Tanzkompanie aufgebaut werden. Richard Siegal versucht in Zusammenarbeit mit Künstler*innen unterschiedlicher Disziplinen, dem zeitgenössischen Tanz ein neues Gesicht zu geben. Bereits 2016 gründete er mit Ballet of Difference seine eigene Kompanie, deren Tänzer* innen sowohl aus der internationalen freien Szene als auch etablierten Kompanien stammen. Die daraus resultierende künstlerische Vielschichtigkeit gepaart mit seiner interdisziplinären Vernetzung wurde zum Markenzeichen des international und national gefeierten Ausnahmetalents.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und die Kunststiftung NRW. Eine Koproduktion mit dem Muffatwerk München.

KREFELD / MÖNCHENGLADBACH

Theater Krefeld
nach einem Entwurf von Gerhard Graubner (1963)

DAS JUNGE THEATER

An den Hochschulen steht naturgemäß die künstlerische Ausbildung im Vordergrund, eine praxisorientierte Vorbereitung auf den tatsächlichen Theaterbetrieb kann dort nur bedingt geleistet werden. Das 2012/13 ins Leben gerufene Opernstudio Niederrhein hat in den vergangenen Spielzeiten exemplarisch vorgeführt, wie junge Künstler*innen zielgerichtet gefördert werden und organisch in den Theateralltag hineinwachsen können. Das Opernstudio hat sich als adäquate Brücke von der Hochschule zur Theaterpraxis bewährt. Als Das Junge Theater soll dieses erfolgreiche Konzept im Rahmen der Förderung ab 1. September 2019 auf weitere Sparten des Theaters Krefeld und Mönchengladbach ausgeweitet werden: Die bisherigen fünf Positionen des Opernstudios Niederrhein (vier Gesangssolist*innen, ein*en Repetitor*in) sollen durch eine*n Schauspieler*in, zwei Tänzer* innen und vier Orchestermusiker*innen erweitert werden und in dieser zwölfköpfigen Besetzung Das Junge Theater stellen. Durch spartenspezifische Weiterbildung (Meisterkurse, Workshops, Sprecherziehung, Rollen- und Partienstudium, Trainingsangebote etc.), Einbindung in die Theaterpraxis (Besetzung im Spielplan), eigene, auch spartenübergreifende Projekte und die vertrauensvolle, alltägliche Zusammenarbeit mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen (als Mentoren) sollen junge, hochtalentierte Künstlerinnen und Künstler in ihrer Entwicklung gefördert werden und somit ein wertvoller Beitrag zu ihrem Heranreifen als mündige und selbständige Künstler*innen geleistet werden.

MOERS

Wallzentrum

Das W - Zentrum für urbanes Zusammenleben

Mit dem multidimensional angelegten Projekt Wallzentrum 2025 plant das Schlosstheater Moers eine umfassende theatrale Neu-Bestimmung des Wallzentrums (1975), einem in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum mit angegliedertem Wohnkomplex, das mit all seinen Widersprüchen und Möglichkeiten einen besonderen Ort mitten in der Stadt markiert. Es ist der zeittypische Ausdruck einer Idee von Stadt, die Wohnraum, Gewerbeflächen und Ladenlokale in einer Passage verbinden wollte. Das Ziel von Wallzentrum 2025 ist es, von hier aus Perspektiven urbanen Zusammenlebens in Form eines Dialogs mit den Bewohner*innen und Besucher*innen neu zu denken, zu entwickeln und zu erproben. Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus den Bereichen Soziologie, Architektur, Design und Kunst sowie mit sozialen und kulturellen Einrichtungen und Initiativen der Region und den Bewohner*innen und Gewerbetreibenden im Zentrum soll hier über einen Zeitraum von drei Jahren ein Laboratorium für eine zukünftige demokratische und offene Gesellschaft entstehen. Wallzentrum 2025 besteht aus einer Reihe einzelner, sehr unterschiedlicher Interventionen. Das Spektrum reicht von theatralen Projekten über Ausstellungen, partizipative Formate, die ein niederschwelliges Angebot machen, über einzelne künstlerische Interventionen, die installativ, medial oder konzeptionell sein können, bis hin zu sozialen Aktionen im Umfeld des Programms Soziale Stadt.

MÜLHEIM A. D. RUHR

vier.ruhr
TheaterStadtGesellschaft

Eine neue Theaterallianz für Mülheim

In Mülheim an der Ruhr gibt es drei sehr unterschiedliche,
lebendige Theater-institutionen: Die Mülheimer  Theatertage „Stücke“, ein Festival für neue Dramatik,
das Ensembletheater Theater an der Ruhr und das Koproduktionshaus Ringlokschuppen Ruhr. Gemeinsam
bilden sie seit September 2019 die neue Theaterallianz „vier.ruhr“.
„vier.ruhr“ steht inhaltlich für den Austausch der drei Institutionen und ihre verbindende vierte Dimension, mit deren schöpferischer Kraft sie in die Stadt Mülheim, das Ruhrgebiet und darüber hinaus künstlerisch agieren und wirken. Die Akteure und assoziierten Künstler*innen von „vier.ruhr“ begreifen Kunst und Theater als eine gesellschaftlich eingreifende Form der Kommunikation. Mit innovativen Formaten, Projekten und Kooperationen haben sie sich gemeinsam auf den Weg gemacht, Strategien der Zusammenarbeit zu (er)finden, um den
Austausch untereinander und den Austausch
zwischen Theater, Stadt und Gesellschaft
zu stärken.

MÜNSTER

Theater Münster
nach einem Entwurf von Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau (1952–56)

„Dramenlabor Münster“ sowie Weiterentwicklung des Schwerpunktes „Neue Dramatik/Zeitgenossenschaft“

Neue Dramatik / Zeitgenossenschaft
Das Schauspiel Münster entwickelt das Interesse an Gegenwartsdramatik zu einem überregional ausstrahlenden künstlerischen Arbeitsschwerpunkt weiter. Über einen Zeitraum von zunächst drei Spielzeiten entsteht ein Pool aus Hausautor*innen, die in kontinuierlichem Austausch Stücke und Projekte für Münster entwickeln. Das Interesse an Theater, das sich mit Fragen der Gegenwart auseinandersetzt, ist in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Verunsicherung immens gestiegen. Dabei kann eine enge Zusammenarbeit von Theatern mit Autor*innen zu einem zukunftsweisenden Modell für ein Theater werden, das sich als Teil einer aktiven Bürger- und Zivilgesellschaft defi niert. Ab der Spielzeit 2019/20 sind insgesamt vier Uraufführungen pro Spielzeit mit Autoren wie Svenja Viola Bungarten, Annalena und Konstantin Küspert, Tugsal Mogul, Martin Heckmanns und Albert Ostermaier in Planung.

Dramenlabor Münster
Mit diversen Kooperationspartnern soll ein in Nordrhein- Westfalen einzigartiges Labor und Festival für neue Dramatik etabliert werden: Texte von jungen Dramatiker*innen sollen im Austausch mit anderen Theaterkünstler*innen weiterentwickelt und unter professionellen Bedingungen erprobt werden. Wie ein Text und wie Figuren funktionieren, ob sich ein Schreibansatz in der Bühnenrealität behauptet, das soll im Dramenlabor erforscht werden. Fünf junge Autor*innen sind dabei für 10 Tage in Münster zu Gast. Fünf Regisseur*innen setzen sich mit den Texten dieser Autor*innen auseinander, und es entstehen in einer kurzen Probenphase Laborinszenierungen, die an einem Wochenende in einem Festivalformat gezeigt werden.

OBERHAUSEN

Theater Oberhausen
nach einem Entwurf von Prof. Friedrich Hetzelt (1949)

NEUE WEGE am Theater Oberhausen

Das Theater Oberhausen ist mit seiner neuen Leitung zur Spielzeit 2017/18 mit dem Ziel angetreten, ein Zentrum für darstellende Künste, ästhetische Bildung und gesellschaftlichen Dialog zu werden. Der Anspruch ist, von projektbezogenen Partizipatipationsangeboten zu einer radikalen Verschränkung von Kunst und Bürger*innenbeteiligung gelangen.

Verstetigung der theater:faktorei-Angebote
Die für die Teilnehmer*innen kostenlosen Angebote der theater:faktorei sollen verstetigt, erweitert und professionalisiert werden – und können jetzt mit einem kleinen Ausstattungsetat künstlerisch unterstützt werden. Den engagierten Mitarbeiter*innen soll eine Aufwandsentschädigung angeboten werden.

Akademie für laute Gedanken (AT)
Werktags sollen die Foyers ab 15:00 Uhr und an Samstagen bereits ab 10:30 Uhr öffnen. In diesen Räumen soll auch die Akademie der lauten Gedanken (AT) stattfinden mit Workshops von Künstler*innen und anderen Expert*innen, Diskussionen und Vorträgen und mit einer partizipativen Hausautor* innenschaft mit Schreibwerkstatt.

Verstetigung von theatralen Angeboten in der Stadt und partizipativen Angeboten im Theater
2020 wird sich das Theater mit Didier Eribons Rückkehr nach Reims beschäftigen und in einem Rückkehr nach Oberhausen- Projekt mit den Bürger*innen eine theatrale Umsetzung an einem besonderen Oberhausener Ort entwickeln. Darüber hinaus ist eine Tanz-Ambulanz geplant: Monika Gintersdorfer und Franck Edmond, die Leitenden der Gruppe La Fleur, wollen mit Mitgliedern ihrer Gruppe ein leerstehendes Ladengeschäft beziehen und dort ein offenes Tanzatelier anbieten.

WUPPERTAL

Theater am Engelsgarten
nach einem Entwurf von Thomas Meier / Meier Architektur Sprockhövel, 2013 (Foto: Uwe Schinkel)

Schauspiel Wuppertal / Inklusives Schauspielstudio

Das Schauspiel Wuppertal eröffnet ein inklusives Schauspielstudio. Damit wird Menschen mit Behinderung ermöglicht, sich im Bereich Schauspiel über drei Jahre intensiv zu qualifizieren. Talentierte, deren Handicap sie daran gehindert hat, an einer Schauspielschule aufgenommen zu werden oder denen bislang der Mut fehlte, sich zu bewerben, haben im inklusiven Schauspielstudio des Schauspiel Wuppertal nun die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen das Schauspielhandwerk zu erlernen und Bühnenerfahrungen zu sammeln.

Neben Unterrichten in allen schauspielrelevanten Bereichen (Sprecherziehung, Körpertraining, Szenenstudien, Gesang etc.), werden die Teilnehmenden von Beginn an praxisorientiert arbeiten können und regelmäßig auf der Bühne stehen – gemeinsam mit den Schauspieler*innen des Ensembles und mit Schauspielstudierenden. Ziel ist es, Menschen mit Handicap eine reelle Chance zu geben, im Anschluss an das inklusive Schauspielstudio professionell als Schauspieler* innen zu arbeiten.

WUPPERTAL

Opernhaus Wuppertal
Erbaut nach Entwürfen von Carl Moritz (1905), saniert nach Entwürfen von Prof. Friedrich Hetzelt (1956) (Foto: Andreas Fischer)

Oper Wuppertal / Sound of the City

Das Festival Sound of the City ist eine Initiative der Oper Wuppertal, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Musik der Stadt und ihrer Oper in ein neues Verhältnis zu setzen. Nach den drei überaus erfolgreichen Ausgaben Bund der Utopisten, Copyright Heimat und wuppertal@night, die von externen Kurator*innen geleitet wurden, soll in den kommenden drei Spielzeiten jeweils ein Team aus mehreren Verantwortlichen die Gestaltung des Festivals übernehmen. Da zukünftig eine*r der beiden Kurator*innen aus Wuppertal selbst kommen sollen, erhöht sich die Kenntnis der Stadt im Kernteam deutlich.

Beteiligt sind lokale Musiker, Sänger und visuelle Künstler aller Gattungen u. a. aus Vereinen, der professionellen Freien Szene und dem Opernhaus. Aufführungsorte sind Clubs, Logen, das Foyer des derzeit geschlossenen Schauspielhauses, Fabriken, Nebenräume im Opernhaus u. v. a. Sound of the City ist Modellprojekt; es öffnet die Pforten der institutionellen Logik und stellt der Stadt ihre eigenen Ressourcen zur Verfügung: Was steckt in der Stadt und ihren Bewohner* innen? Wie klingt Wuppertal? Welche neuen Formen von Musik-Theater können entstehen?

Die vierte Spielzeit von „Sound of the City“ steht im Zeichen des Engels-Jahres
2020/21 unter dem Thema „Arbeit?“. Indem der Fokus von der Person und Biographie 
Friedrich Engels auf dessen publizistische und politische Arbeit verlagert wird, öffnet sich die Perspektive. Die von Engels beschriebene Lebensrealität des 19. Jahrhunderts, die Lebens- und Arbeitswelt unserer eigenen Zeit sowie unsere Zukunftsvisionen, können somit gleichzeitig in den Blick genommen werden. Das Kuratorenteam dieser Festivalausgabe besteht aus Jari Ortwig, Berthold Schneider und Horst Wegener.