Bielefelder Studio

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Das erste »Bielefelder Studio« – Die Bühnen und Orchester der Stadt entwickeln neues spartenübergreifendes Konzept für junge Künstler*innen

Mut zu künstlerischen Experimenten und innovative Formate neben dem klassischen Betrieb eines Stadttheaters im besten Sinne – das zeichnet die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld unter der Leitung von Intendant Michael Heicks aus. In diesem Kontext steht auch die Gründung des ersten »Bielefelder Studios«, das dank des Förderprogramms »Neue Wege« der Landesregierung und des NRW KULTURsekretariats mit Beginn der aktuellen Spielzeit an den Start gehen konnte.

Das Konzept des »Bielefelder Studios« ist deutschlandweit einmalig. In ihm können sich drei junge Künstler*innen aus den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel jeweils eine Spielzeit lang in allen Sparten weiterbilden und -entwickeln. Dabei erhalten sie die Gelegenheit, ihre fachspezifische Ausbildung zu vervollständigen und zu erweitern. Der große Unterschied zu bereits etablierten Formaten wie Opernstudios ist der spartenübergreifende Gedanke. »Die Grenzen herkömmlicher Professionalisierung sollen überwunden und traditionelle Berufsbilder hinterfragt werden«, erklärt Michael Heicks.


Uraufführung

Requiem

Lothar Kittstein // Bernhard Mikeska

Eine szenische Installation von Lothar Kittstein und Bernhard Mikeska (RAUM + ZEIT)

Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein arbeiten seit 2009 regelmäßig zusammen. Gemeinsam bilden sie den Kern des Künstlerkollektivs RAUM + ZEIT. Ihre Arbeiten spielen mit der Logik eines konsistenten Raum-Zeit-Kontinuums und der inneren Welt der Wahrnehmung. Inszenierung und Realität verdichten sich zu einer neuen Erfahrung. Dabei spielen Geschichten, Personen und Orte aus dem kollektiven Gedächtnis einer Stadt eine besondere Rolle.

Als Rudolf Oetker, Sohn des Firmengründers August Oetker, im Ersten Weltkrieg fällt, fehlt der natürliche Nachfolger an der Spitze der Firma. Doch ein halbes Jahr nach Rudolfs Tod wird ihm noch ein Sohn geboren: Rudolf August. Als erwachsener Mann soll und wird er später die Firma übernehmen und im Wirtschaftswunder der 50er-Jahre zu einem der erfolgreichsten Unternehmen Deutschlands formen. Im Gedenken an den gefallenen Sohn wird, maßgeblich auf Initiative der Mutter Caroline Oetker, 1930 ein architektonisch aufregendes Konzerthaus eröffnet: die Rudolf-Oetker-Halle. Vierzehn Jahre später, der Zweite Weltkrieg. Ein Bombenangriff zerstört die Halle. Durch erneute Finanzierung der Familie Oetker wird sie nach dem Krieg der Stadt ein zweites Mal geschenkt.

Mit Requiem begibt sich der Zuschauer alleine auf einen Weg durch vergangene Zeiten und die weitläufigen Räume wie Hinterräume der Rudolf-Oetker-Halle, auf dem er den SchauspielerInnen sehr nahe kommen wird. Die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Traum wird durchlässig. Eine subjektive Reise ins Innere.

Die szenische Installation ist Teil des Projektes »Laboratorium: Recherche, Struktur, Freiheit« des Schauspiels Bielefeld mit freien Kollektiven und KünstlerInnen, das auf drei Spielzeiten angelegt ist.

PREMIERE Fr. 10.01.2020 um 20:00 Uhr, Rudolf-Oetker-Halle


Uraufführung

Ein neuer Tanzabend

Moritz Ostruschnjak

Die Digitalisierung lässt unseren Alltag komplexer werden. Wenn Daten sich verschränken, Kommunikationswege verdichten und Möglichkeiten multiplizieren, können wir alles und jede/r sein, zu jeder Zeit und an jedem Ort. In der Flut der Informationen können wir Tag für Tag Neues finden – uns neu erfinden. Doch was bedeutet das für die Integrität des Einzelnen, sein physisches und soziales Erleben? Wie reagiert der Gesellschaftskörper?

In einer Neukreation für das Ensemble von TANZ Bielefeld befragt der Münchner Choreograf Moritz Ostruschnjak das Konfliktpotential unserer digitalen Lebenswirklichkeit. In der virtuellen Erweiterung der Realität können Extreme ungehindert aufeinanderprallen. Hier vermischen sich Popkultur mit Aggression und Gewaltbereitschaft, Weltenhunger mit nationalistischer Propaganda, Unsicherheit mit Größenwahn und Imperialismus. Stehen wir vor dem Kollaps oder ist das schon der Beginn eines neuen Zeitalters? In seiner Kreation Unstern (2018) reflektierte Moritz Ostruschnjak die Bedingungen technischen, gesellschaftlichen und politischen Wandels am Beispiel des beginnenden 20. Jahrhunderts und fragte nach der Zukunft. Seine Recherche verschiebt sich nun in den Kontext der Digitalisierung und erhält dort wieder eine besondere Dringlichkeit.

Die Auseinandersetzung mit neuen Informationstechnologien suchen Choreograf und Ensemble auch auf formaler Ebene: Gemeinsam mit einem/r Digital-KünstlerIn verwandeln sie das TOR 6 Theaterhaus in ein Laboratorium für intermediales Erzählen und loten die Ausdrucksmöglichkeiten des zeitgenössischen Tanzes aus.

Der Tanzabend ist Teil eines auf drei Spielzeiten angelegten Projektes zum Thema Tanz und Digitalität.

PREMIERE Fr. 17.01.2020 um 20:00 Uhr im TOR 6 Theaterhaus

https://theater-bielefeld.de/unser-theater/das-bielefelder-studio.html