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EIN MENSCH WIE IHR

Die Geschichte der Menschheit wird von Kriegen und Eroberungen, von Aufstieg und Zerfall von Ländern und Reichen, von Beherrschung und Unterdrückung dominiert. Dass diese Geschichte an ihr Ende gekommen sein könnte, wie der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1989 nach dem Zusammenbruch der UdSSR behauptete, ist längst widerlegt. Und dennoch hat uns der Krieg in der Ukraine jäh aus einem schönen Traum gerissen: Krieg in Europa! Als hätten wir uns seit Jahrzehnten eingeredet, der ewige Streit um das richtige Menschenbild – ist er nun „von Natur aus gut“, wie Rousseau überzeugt war, oder doch „des Menschen Wolf“, wie Hobbes betonte – sei entschieden.
Auch wenn unter Historiker*innen, Anthropolog*innen und Soziolog*innen weiterhin hitzige Debatten toben, weist der Befund klar in eine Richtung: Seit jeher neigen wir dazu, uns gegenseitig auf organisierte Weise anzugreifen – mit anderen Worten: Krieg zu führen. Das Theater an der Ruhr, die Mülheimer Theatertage „Stücke“ und der Ringlokschuppen Ruhr laden zu einem gemeinsamen Theaterparcours durch die Stadthalle ein, „drei Minuten lang nachzudenken“ – wie es im „Fatzer“ von Bertolt Brecht heißt – über die Spezies Mensch als Gemeinschaftswesen, als Asoziale*r, als Kriegstreiber*in und als ein Geschöpf, das Zukunft konstruktiv gestalten kann.

In Mülheim an der Ruhr trug sich in der aller Moral entblößten Zeit des ersten Weltkriegs eine Geschichte zwischen vier Männern zu, die mit dem völligen Untergang aller vier endete, aber inmitten von Mord, Eidbruch und Verkommenheit die blutigen Spuren einer Art neuen Moral zeigte. Bertolt Brecht

Was Brecht im Fatzer-Fragment verhandelt, ist die Differenz zwischen radikaler Selbstbezogenheit und Kollektivität, zwischen Spontaneität und Disziplin, Egoismus und sozialem Verantwortungsbewusstsein. Dieser Stoff bildet die Folie für sehr unterschiedliche Erkundungen über die ewige Wiederkehr des Krieges und die ewige Sehnsucht, in einer anderen Welt zu leben, in einer befriedeten Gesellschaft. Spielend, tanzend, Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart nachdenklich eine Stimme gebend, durch dunkle Zeiten ins Unbewusste reisend, unter Einsatz von Soundinstallationen, Recherche, Video und Film „erobern“ drei künstlerische Teams um die Choreografin Rafaële Giovanola, die Autorin und Regisseurin Christine Umpfenbach und den Regisseur und Bildenden Künstler Philipp Preuss sowie ein großer, diverser Chor aus Bürger*innen mit insgesamt mehr als 60 Beteiligten gemeinsam mit dem Publikum das Herz der Stadt und eröffnen einen neuen Blick auf dessen Räume.
Das Publikum durchwandert dabei einen Theaterparcours aus ganz verschiedenen Teilen: Fatzer/Körper, Fatzer/Stimmen, Fatzer/ Zeiten, Fatzer/Chor…
Und was den vier Kriegsaussteigern um den Egoisten Fatzer misslingt, möge uns schließlich gemeinsam gelingen: Chöre bilden. Bande knüpfen! Von und mit dem Chor der Petrikirche, dem Ensemble des Theater an der Ruhr, Wisam Atfah, Abdulrazak Balksh, Adel Kalkili, Inge Ketzer, Alaa Nema, Maryam Nema, , Leonce Noah, Amal Omran, Olena Polianska, Jonathan Sanchez u.v.m.
Texte: Bertolt Brecht (Fatzer), Christine Umpfenbach u.a

TERMIN
14.10.2022, 19.00 Uhr, Stadthalle Mülheim an der Ruhr – Premiere
15.10.2022, 19.00 Uhr, Stadthalle Mülheim an der Ruhr
03.11.2022, 19.00 Uhr, Stadthalle Mülheim an der Ruhr
04.11.2022, 19.00 Uhr, Stadthalle Mülheim an der Ruhr

Datum

14. Okt 2022

Uhrzeit

19:00

Veranstaltungsort

Stadthalle Mülheim
Am Schloß Broich 2-4, 45479 Mülheim an der Ruhr

Veranstalter

Theater an der Ruhr
Telefon
+49 208 59901 0
Website
http://www.theater-an-der-ruhr.de

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